19 | 05 | 2012

Unterricht

Unterricht

Unterricht in Kleingruppen, das scheint in Eltern- und Lehrerwahrnehmung ein Idealzustand zu sein, der ein Maximum an Effizienz verspricht. Dabei dürfen wir jedoch nicht die alltägliche Schulerfahrung unserer Kinder, die von Fehlzeiten, Infekttagen und damit verbundenen Wissenslücken geprägt ist, vergessen. Individualisierter Unterricht in der Kleingruppe zeigt spätestens in der zweiten Unterrichtsstunde Wissensbestände, Wissenslücken, Nichtkönnen, gute und schlechte Lernstrategien auf. Die Gefahr, dass sich der Schüler als Goethes Thor fühlt, „da steh ich nun ich armer Thor und bin so klug als wie zuvor“, und als solcher auch noch geoutet wird ist gross. Das Vermeiden dieser Gefahr, unter Anerkennung der geforderten Leistungen, muss in der individuellen, spezifischen Interaktion ausgelotet werden.

Normalerweise kann sich doch Thor oder Nicht-Thor  hinter mindesten zwanzig Mit-Thoren verstecken und notfalls noch eine „Unpässlichkeit“ heucheln. Somit muss und kann aber auch (oft im Gegensatz zum Unterricht einer „normalen Klasse“) Unterricht in der Kleingruppe neben den Zwängen des Lernstoffes, tägliche Befindlichkeiten, aber auch generelle Anforderungszumutbarkeiten berücksichtigen und verschieben.